Re-Design ›neues museum‹

Re-design des Magazins ›neues museum‹

Grundthema

Österreichische Museen zählen zu den bedeutendsten weltweit. Aufgrund seiner besonderen historischen Entwicklung als kulturelles und wissenschaftliches Zentrum in Mitteleuropa hat Österreich sowohl national als auch international eine besondere Verantwortung für das hier zu bewahrende Kulturerbe.
Der Museumsbund Österreich (MÖ) ist eine Dachorganisation aller österreichischen Museen, unabhängig von Größe oder inhaltlicher Positionierung. Seit der Gründung 1981 vertritt er gemeinsam mit ICOM Österreich die Interessen österreichischer Museen und versteht sich als Kommunikations und Netzwerkplattform sowie als Servicestelle. Im Dialog mit Partnerinnen und Partnern aus
dem In- und Ausland stellt er Informationen und Know-how zu unterschiedlichen Museumsthemen auf der Internet-Präsenz des Museumsbunds sowie in der dreimal jährlich erscheinenden Zeitschrift neues museum zur Verfügung.

Das neue museum

Die Zeitschrift neues museum wurde 1989 als Forum für Kolleg/innen aus der Museumswelt gegründet. Das vom Museumsbund Österreich herausgegebene neue museum erscheint seit 1990 in 3 Heften pro Jahr, eines davon als Doppelausgabe.

Die Aufgabe

Museen werden im Allgemeinen als statische Räume wahrgenommen. Die durch Objekte erzählte Historie wird in diesen speziell dafür installierten und inszenierten Orten zum Zweck der Erinnerung vorgeführt – unter anderem die Einbeziehung neuer Medien und die Erweiterung des (Museums-) Raumes zu einem Ort kritischer Öffentlichkeit hat den Präsentationen des dinghaften, kulturellen Gedächtnisses neue Impulse verliehen und sie verstärkt „in Bewegung“ versetzt.

Eines der Ziele des Re-Design des Magazins war es, eine Verbindung von Informationsvermittlung, Lesbarkeit und Dynamik herzustellen. Die Dynamik des Layouts widerspiegelt gleichzeitig
die Dynamik des Prozesses des geschichtlichen Diskurses. Durch diese Bezugnahme sollte die Gestaltung selbst rhythmisiert, in gewisser Weise gar musikalisiert, werden.
Teil der inhaltlichen Herausforderung war es, die sehr unterschiedlichen Ausgangsmaterialien adäquat und konsistent in eine gemeinsame Formsprache zu überführen. Bei diesen Ausgangsmaterialien handelt es sich etwa um:

  • wissenschaftliche Beiträge mit Fußnoten und Querverweisen
  • Bildstrecken über Ausstellungen
  • Berichte von Akteuren der Museumslandschaft
  • umfangreichere Kalendarien
  • Vorstellung von ausgezeichneten Museen
  • Journalbeiträge
  • journalistische Beiträge

Die angestrebte sachliche Gestaltung
sollte der Lesbarmachung dienen, dabei dennoch Magazincharakter haben und so einen freien, spielerischen Umgang mit typographischen und bildhaften Elementen ermöglichen. Ziel war eine visuelle Ästhetik zu bewerkstelligen, die zwischen Ausstellungs-/Kunstkatalog, Sammelband und einem klassischen Magazin angesiedelt ist.

1. it`s all about rhythm

Genauso wichtig wie das Klangereignis ist für
den Rhythmus in der Musik der Nicht-Klang. Nur durch das zeitliche Zueinander von Seiendem
und Nicht-Seiendem entstehen wahrnehmbare Strukturen und Gestalten. Ähnlich verhält es sich mit der Komposition von Doppelseiten eines Magazins. Auch wenn die Dimension der Zeit weniger offensichtlich zu Tage tritt wie in der „Zeitkunst“ Musik, so gibt es beim Betrachten einer Seite einen Anfang und ein Ende. Der Blick wird von guter Gestaltung dazwischen geleitet – dieses Erkunden einer Seite durch Betrachter/innen erfolgt nie augenblicklich und ganzheitlich, sondern Stück
für Stück und damit in der Zeit.
Der visuelle Rhythmus kann sich durch die Planung der Parameter Position (Raster),

Größe (typographische Verhältnisse, dominierende Elemente), Farblichkeit, Heterogenität / Homogenität (Bild vs. Text), usw. gestaltet werden. Das Gestaltungsraster bildet quasi das Metrum, innerhalb welchem sich durch die geplante gestalterische Platzierung der Text- und Bildelemente der Rhythmus ereignet. Erst durch die Struktur, die durch das Raster etabliert wird, kann der Rhythmus und seine Variationen wahrgenommen werden. Ziel bei der Gestaltung des neuen museum ist es
bei jeder Ausgabe immer wieder auf‘s Neue, sowohl Mikrostruktur als auch Makrostruktur mit dem Thema des Rhythmus‘ zu durchdringen (bspw. durch die Planung von Text- und Bildschwerpunkten in Abschnitten des Magazins).

2. Typographie

Anforderungen an die typografische Gestaltung

Da bei der typographischen Umsetzung das Ziel war, eine möglichst abwechslungsreiche Gestaltung zu erzielen, die dennoch in sich stimmig ist und deren innerer Zusammenhalt sich durch die gesamte Gestaltung zieht, stand von Anfang an fest, dass bei der Wahl der Schrift nur eine weit ausgebaute Schriftsippe in Frage kommen kann.

Dass die gewählte Schrift eine gute Lesbarkeit aufweisen sollte, muss nicht extra erwähnt werden. Jedoch war eine zusätzliche ästhetische Anforderung, dass die Schrift eher mittlere bis niedrige x-Höhe aufweisen sollte, da so der Schriftkörper in Relation zur Schriftgröße und dem Zeilenabstand nicht zu gewichtig wirkt. Dies erzeugt den ästhetischen Eindruck von Leichtigkeit und einen dementsprechend nicht zu dichten Grauwert der Textblöcke.
Eine geplante positive Auswirkung dieser Entscheidung ist, dass die Schrift im Fließtext relativ groß in der Relation zum Zeilenabstand gesetzt werden kann und dennoch ein funktionierender und ästhetischer Durchschuss resultiert. Bildlich gesprochen wird der zur Verfügung stehende Raum so optimal mit Information gefüllt.

Schriftsippe ›Galaxie‹

Die Schriftsippe ›Galaxie‹ von der Type-Foundry Constellation, die von Tracy und Chester Jenkins geführt wird, erfüllt alle diese Vorraussetzungen. Sie umfasst die serifenlose Galaxie Polaris, die Serifen-Familie Galaxie Copernicus sowie den Condensed-Familie Galaxie Polaris Condensed. Jede der Familien ist mit 5-6 Schweregraden und den jeweiligen Kursiv-Schnitten sehr weit ausgebaut – dies erlaubt eine vielseitige Anwendung. Die Galaxie-Sippe ist so gestaltet, dass die Familien miteinander kombiniert werden können. Die serifenlose Galaxie Polaris bietet eine gute Lesbarkeit und Klarheit sowohl der einzelnen Lettern als auch der resultierenden Struktur im Fließtext:

›Type is a tool for delivering language; with Polaris, I set out to make a typeface that does this clearly and concisely, with the minimum of fuss.‹
Chester Jenkins

Für Überschriften hat die Serifenlose dennoch einen eigenen Charakter, der dem Satz eine klare und dennoch eigene Anmutung verleiht. Die Serifen-Familie stellt Galaxie Copernicus dar, sie bezieht sich in ihrer Erscheinung auf die Schrift Plantin aus dem 16. Jahrhundert.

Schriftmischungen und Rhythmus

Aufgrund dieser bereits zu Beginn des Gestaltungsprozesses angestellten grundlegenden Überlegungen zur Typografie konnte das neue museum trotz der selbstgewählten Bescheidung auf die Schriftsippe ›Galaxie‹ abwechslungsreich und gleichzeitig durchgängig gestaltet werden. Die Kombination der Schriftfamilien der Sippe erzeugt Rhythmus in der Einheit.

Flattersatz

Früh stand fest, dass der Fließtext des neuen museum in Flattersatz gesetzt werden sollte. Für Magazine eine immernoch ungewohnte Vorgehensweise, da doch das notwendige manuelle Bearbeitung der Flatterkante einen Mehraufwand bedeutet.
Dabei handelte es sich um eine Entscheidung gegen bestehende Konvention und für bessere Lesbarkeit (die dem engagierten Lektor bereits beim Lektorat der ersten Ausgabe auffiel). Um gerade bei schmaleren Spaltenbreiten den aus typographischer Sicht unschönen großen Wortabstand zu vermeiden, der bei Blocksatz entsteht und der zu einer schlechteren Lesbarkeit beiträgt sowie um sich ästhetisch von den statisch wirkenden Blöcken, wie sie aus der konventionellen Magazingestaltung bekannt sind, zu distanzieren. Bezogen auf den Grundgedanken der Rhytmisierung ist der flattergesetzte Text im Fluss, in Bewegung, er bildet keinen in sich ruhenden monolithischen Block – er ist in seiner Gestalt rhythmisch.
Die Flatterkante so bearbeitet, dass Worttrennungen durchaus vorkommen (vor allem bei schmaleren Spalten) und so die mitunter ermüdende Wirkung des groben Rauhsatzes vermieden wird.

3. Satzspiegel, Raster & Fließtext

Verwendete Raster

Es werden zwei Raster simultan verwendet. Ein 5-spaltiges und ein 6-spaltiges. Sie werden auf  der ersten Doppelseite des Magazins, dem Inhaltsverzeichnis, vorgestellt und so wie ein musikalisches Thema ausgebreitet. Hier werden die beiden Raster zunächst nebeneinandergestellt. Auf der linken Seite 6-spaltig, auf der rechten Seite 5-spaltig.

Im „Verlauf“ der folgenden Doppelseiten werden für jede Ausgabe des Magazins auf‘s Neue die Möglichkeiten dieses Materials erkundet, indem die Raster mal stark mal weniger stark miteinander verwoben werden. Durch die Reibung der Raster, die wie gleichzeitig erklingende Triolen und Viertel in der Musik für metrische und rhythmische Spannung sorgen, entwickeln sich Doppelseiten, die in ihrem Layout Abwechslung und Spannung erzeugen. Gleichzeitig entsteht trotz der strengen Bindung an die Raster eine fließende, dynamische Ästhetik.

Beziehung zwischen Raster und Typographie

Ein Rasterelement entspricht in der Höhe genau 9 Textzeilen (6-spaltiges Raster) bzw. 11 Textzeilen (5-spaltiges Raster).

Kombination von Grundlinienraster und Gestaltungsraster

Die erste Zeile eines Textblocks ist an der Kante ihrer Versalhöhe mit der Kante des Rasterblocks ausgerichtet (siehe Abbildung oben). So ist gewährleistet, dass Versalien und ein etwaig nebenstehendes Bildelement auf einer Höhe beginnen. Da sowohl Zeilenabstand des Grundlinienrasters als auch der Spaltenabstand 12 Pt betragen, können zwischen den Rasterelementen in der horizontalen und vertikalen gleich breite Zwischenräume erzielt werden (siehe Abbildung links oben).

4. Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis als Exposition

Dem Inhaltsverzeichnis fällt neben seiner Funktion, über die Folge der Beiträge zu informieren, die ästhetische Rolle einer ›Exposition‹ zu. Wie bei einem musikalischen Werk wird das visuelle Material als das Thema des Magazins vorgestellt. Dieses Thema manifestiert sich nicht durch konkrete Formen oder Farben, sondern durch die ›Grisaille‹ des Rasters und die Elemente der Typographie – jenen Elementen, die das Gerüst konstituieren, in welchem sich Gestalten des visuellen Rhythmus‘ ereignen können.

Raster und Typographie als Rhythmusgeber

Im Unterschied zum restlichen Magazin wird im Inhaltsverzeichnis ein 7 Pt Grundlinienraster ver-
wendet. Beide Raster (fünf- und sechsspaltig) werden auf dieser ersten Doppelseite des Magazins, vorgestellt. Sie werden zunächst nebeneinandergestellt und überlagern sich noch nicht. Auf der linken Seite orientiert sich die Typographie am 6-spaltigen Raster, während sie auf der rechten Seite stets im 5-spaltigen Raster gesetzt wird. Durch die

Verwendung von Linien wird Entstehung des visuellen Rhythmus unterstützt und die Struktur der Raster verdeutlicht.
Gleichzeitig wird das Inhaltsverzeichnis genutzt, um das typographische Material des Magazins vorzustellen. Alle drei Schriftfamilien kommen zum Einsatz, die weisen unterschiedliche Inhalte der Seite aus:

  • Galaxie Polaris für die Listung der Artikelbezeichnungen
  • Galaxie Copernicus für Autor/innennamen und den Einleitungstext
  • der Condensed-Schnitt für Überschriften und Seitenzahlen

Trotz der heterogenen Materialien entsteht ein ganzheitlicher ästhetischer Eindruck, bei dem die Reibung der (typographischen) Elemente für den visuellen Rhythmus und Spannung sorgt.

5. Ikonographie, Illustrationen

Zur Strukturierung der Daten wurde eine Zeichen- und Formsprache gewählt und entwickelt, welche die große Anzahl der Termine lesbar machen soll.
Um Informationseinheiten voneinander zu Separieren wurden horizontale Linien eingesetzt. Je nach Funktion sind diese durchgezogen oder gepunktet. Unterstützt wird diese Kenntlichmachung von Sinnzusammenhängen durch den Einsatz von Icons.
Die verwendete Ikonographie basiert auf Font Awesome einem Icon-Font, der eigentlich für die Verwendung in Websites konzipiert wurde. Icons aus diesem Repartoire werden auch in den Factboxen verwendet.

Um Abschnitte deutlich zu kennzeichnen und die Textmasse durch bildhafte Elemente zu strukturie- ren, wurden die Bundesländer illustriert, in denen sich die Termine ereignen. Auch hier wurde ein sachlicher Stil verwendet, dessen Elemente sich auch durch die Beschränkung auf Schwarz und Weiß gut mit der Typographie verbinden.
Die Typographie beschränkt sich hier auf ›Galaxie Polaris‹, die notwendigen Abstufungen zwischen Überschriften, wichtigeren Elementen, und „normalen“ Elementen wird durch Schriftgrad und Schriftschnitt erzielt.
Für die immer wieder für Beiträge notwendigen Illustrationen wird ein graphischer, abstrahierter, sachlicher Stil verfolgt.

6. Wahl des Papiers

Bei der Papierwahl gab es im Wesentlichen zwei Ziele. Zum einen sollte eine „natürliche“ Anmutung und Haptik erzielt werden, die sich von gängigen Hochglanz-Magazinen abheben sollte. Zum anderen sollte es dennoch möglich sein,
Bilder hochwertig und detailreich wiederzugeben. Da sich diese beiden Kriterien eigentlich ausschließen war es notwendig, einen Kompromiss von höchster Qualität zu finden. Diese wurde mit dem Papier LuxoArtSamt der Firma Papyrus erreicht. Es handelt sich um ein holzfreies, weißes, matt gestrichenes Bilderdruckpapier. Der Strich ist besonders fein, so

dass die Struktur des Papiers im Gegensatz zu anderen gestrichenen Papieren noch zu erkennen ist. Auch in der Haptik erinnert LuxoArtSamt eher an ein Naturpapier. Dennoch gewährleistet der feine Strich die gute Wiedergabe von Bildern.
LuxoArtSamt wird sowohl für den Kern – mit einer Grammatur von 115 g – als auch für den Umschlag mit 300 g verwendet.