3.0 Sound

Musikalische Partituren stellen klassischerweise für Menschen gemachte Handlungsanweisungen dar, deren Ziel die Erzeugung von Klang ist. Auch der Programm-Code stellt eine solche Handlungsanweisung dar, doch richtet er sich nicht an Menschen, sondern an eine Maschine. Merkmale von Code wie Formalisierung oder Schleifen (Wiederholungen) spielen auch in musikalischen Partituren eine Rolle; in Avantgardemusik werden auch Interaktion und Einfluss von aussen relevant; grafische Partituren versuchen die erweiterten Ausdrucksformen abzubilden.

Treatise (Cornelius Cardew, 1967), Grafische Partitur

Indem sich die Notation im 20. Jahrhundert von der tradierten Notenschrift löste, ermöglichte sie neue audivisuelle Verbundungen, die sich von der abstrakten Zuordnung von Klangmerkmalen an Noten lösten. Bereits Oskar Fischinger übertrug in seinem experimentellen Animationsfilm Radio Dynamics zeitliche Struktureigenschaften der Musik auf die visuelle Animation.

Code als Ausgangsmaterial ermöglicht eine gleichzeitige Generierung von visuellem und auditiven Reizen. Es gibt nicht mehr eine visuelle Vorlage (Partitur), die in Klang übersetzt wird, oder eine auditive Vorlage, die visualisiert wird. Ursprung ist der Algorithmus bzw. der Code. Er wird in ein audiovisuelles Ganzes übersetzt. Iannis Xenakis übersetzte mathematisches Modell in architektonische Strukturen sowie in sein Orchesterwerk Metastaseis. Modell der Random Walks aus der kinetischen Gastheorie in grafische Computer-Plots und verarbeitete diese Wiederum in Ensemblewerke wie N'Shima.

Unterschiede zwischen Partitur und Programm-Code bestehen im der Grad der Formalisierung sowie der Exaktheit der der einzelnen Ausführungen (Performances). In musikalischen Partituren sind manche Dinge nicht notiert, da sie als Teil der tradierten Konventionen als gegeben angesehen werden. Ausserdem macht gerade die 'Interpretation' der musikalischen Handlungsanweisungen den Charakter und die ästhetische Erfahrung einer konkreten Ausführung aus. Computer interpretieren derzeit noch stets eindeutig.

Einige random() Beispiele aus völlig verschiedenen Bereichen

Farblichtmusik (Alexander László, ~ 1920er Jahre)
„Musik und Malerei als gleichberechtigte Künste sollten sich zu einer neuen Kunstform verbinden, die László Farblichtmusik nannte. Im Gegensatz zu Alexander Wallace Rimington oder Mary Hallock-Greenewalt visualisierte László keine bekannten Kompositionen, sondern kreierte sowohl Musik als auch Lichtmalerei in einem gemeinsamen und wechselseitig voneinander abhängigen Schaffensprozess.“ (http://www.see-this-sound.at/werke/494)

Hyperion (Georg Friedrich Haas, 2006)
„Licht ist ein Musikinstrument. Eine Veränderung der Farben verändert die Wahrnehmung der Klänge. Zeitlich strukturiertes Licht wirkt wie ein lautloses Schlagzeug. Die Grundkonzeption von Hyperion ist einfach: 4 Orchestergruppen befinden sich an den vier Wänden des Raumes. Wie dieses optische Element aussieht, liegt in der freien Entscheidung der das Licht gestaltenden Persönlichkeit: Festgelegt ist in der Partitur lediglich, wann etwas zu geschehen hat. Und es ist notwendig, dass diese Ereignisse so klar sind, dass sie von den InterpretInnen wahrgenommen werden können. Ihnen gegenüber, von ihnen gut einsehbar, sind jeweils vier verschiedene Lichtquellen angebracht. Die MusikerInnen reagieren auf das Licht – analog wie sie auf die optischen Zeichen eines/r Dirigenten/in reagieren.“

Cycles 720 (Craig Ritchie Allan, 2013)
„Cycles 720 is an hybrid visual/audio sequencer built using VVVV and Ableton Live with a custom M4L patch. Circle/Line interactions trigger percussion: rhythm and swing are dictated by the size, number of circles, their degree of separation, orientation and elasticity of each collision.”

Pendulum Music(Steve Reich, 1968)

Soundloom (Craig Ritchie Allan, 2014)
„Soundloom is a generative digital A/V composition system. It generates (weaves) sound and its corresponding notation simultaneously and in real-time. The composition is generative, but the operator can input change at certain points in the system to act as the seed of variation, often with unpredictable outcomes.”